Hirudo medicinalis (nach Linnaeus, 1758)

Beschreibung

große Egel, gestreckt bis etwa 20 cm lang; Dorsale bräunlich bis olivgrün mit drei Paaren rötlicher Streifen, Streifen des innersten Paares am breitesten, gelegentlich kleine schwarze Punkte einschließend, jeder Streifen des mittleren Paares umschließt segmental tropfenförmigen schwarzen Fleck, Streifen des äußeren Paares am schmalsten und an ein gelbes Seitenband grenzend; Ventrale gelblichgrün mit schwarzen Flecken in unregelmäßiger Form und Anzahl

Biologie

typischer Bewohner von Standgewässern und Sümpfen, besiedelt Altarme und makrophytenreiche, warme Kleingewässer, auch in Sekundärgewässern; verträgt bei noch hoher Bodenfeuchtigkeit eine Austrocknung des Gewässers;

ernährt sich parasitisch von Wirbeltierblut (Fische, Amphibien, Säugetiere); vermutlich stellen Amphibien die Hauptnahrungsquelle dar, da die Egelart meist an sehr amphibienreichen Gewässern lebt; nach einer Blutmahlzeit können die Egel bis 24 Monate hungern, selbst frisch geschlüpfte Jungtiere überleben über ein halbes Jahr ohne Nahrungsaufnahme;

durch Besitz kräftiger Kiefer vermutlich vor Übergriffen durch andere Egelarten (z.B. Haemopis sanguisuga) geschützt;

Geschlechtsreife stark vom Ernährungszustand abhängig; in der Natur erst mit drei Jahren; Ablage der ca. 2 cm langen, eiförmigen, mit einer schwammartigen Hülle umgebenen Kokons in feuchter Ufererde oberhalb der Wasserlinie von August bis Oktober, Entwicklung der Jungtiere im Kokon reichlich vier Wochen, Schlupf oft erst im darauffolgenden Frühjahr durch Öffnung der Polstellen; Anzahl der Kokons pro Gelege 2-5, Anzahl der Egel pro Kokon 5-20; Jungtiere bereits mit typischer Zeichnung, farblich etwas heller als adulti

Verbreitung

Europa, nördlich bis Südskandinavien, durch den intensiven Blutegelhandel im 19. Jahrhundert und die damit verbundene Verwilderung von Blutegeln lässt sich keine autochthone Verbreitung angeben, wahrscheinlich umfasste das ursprüngliche Areal den westlichen Mittelmeerraum und Mitteleuropa; nicht bekannt von Irland, Portugal und Island;

ältere Angaben zum Auftreten der Art oft unsicher, da häufig mit Haemopis sanguisuga verwechselt und lange Zeit nicht konsequent von Hirudo verbana getrennt

Bedeutung

seit Jahrtausenden medizinisch genutzt zur Bekämpfung von Thrombosen, Embolien und entzündlichen Prozessen, heute Anwendung vor allem in der Naturheilkunde, in der Mikrochirurgie, in der plastischen und rekonstruktiven Transplantationschirurgie (Verhinderung von Blutstauungen, Verbesserung des Blutflusses und dadurch Verbesserung der Sauerstoffversorgung);

guter Indikator für besonders wertvolle Sumpf- und Auengewässer, kein Zusammenhang zwischen Auftreten und Saprobie nachgewiesen

Carl von Linné (Carl Nilsson Linnæus)

Anwendung medizinischer Blutegel

  • Venenentzündungen (Phlebitis) und Thrombosen (Arterienverschluss)
  • Ohrenerkrankungen (Mittelohrentzündung, Mastoiditis, Menièrsche Labyrintherkrankung, Tinnitus)
  • Angina pectoris
  • Ulcus cruris
  • Migräne und Spannungskopfschmerz Atemwegserkrankungen (Pneumonie, Bronchopneumonie, Hals- und Mandelentzündungen, Mandelabszesse, Mundbodenphlegmonen)
  • Weichteilrheumatismus, Ischialgien
  • Arthritis
  • Furunkulosen
  • Hämatome, Wadenkrämpfe, Muskelfaserrisse und Zerrungen
  • Schwindel
  • Gallenblasenentzündung und Leberanschoppung
  • beginnende Leberzirrhose mit mäßiger Aszites
  • Prostatitis
  • Geschwülste an Eileiter oder Eierstöcke
  • Hämorrhoiden